Die Umsetzung erfolgte in drei aufeinander abgestimmten Seminaren an beiden Partnerhochschulen und folgt einer durchgängigen digital-materiellen Prozesskette vom Wald bis zum Bauwerk.
In der ersten Phase steht die Vorentwurfsentwicklung im Zentrum: In einem seminarinternen, kompetitiven Prozess erarbeiten die Studierenden in Gruppen iterative Entwürfe, die im weiteren Verlauf gemeinsam diskutiert und weiterentwickelt werden. Aus diesen Vorschlägen wird ein Siegerprojekt ausgewählt, das anschließend gemeinschaftlich weiter detailliert und für die Umsetzung ausgearbeitet wird.
In der teils parallel verlaufenden zweiten Phase steht die digitale Bestandserfassung im Wald im Vordergrund: Geeignete Schwachholzstämme werden hinsichtlich Geometrie, Krümmung und Durchmesser identifiziert – unterstützt durch AR-gestützte Auswahlverfahren, die digitale 1:1-Modelle direkt im Waldbestand einblenden und damit an historische, schablonenbasierte Verfahren der Holzauswahl anknüpfen. Alle verwendeten Stämme weisen Stammdurchmesser unter 15 cm auf und hätten in der herkömmlichen Bauindustrie keine konstruktive Verwendung gefunden. Die ausgewählten Stämme werden lokal geerntet, manuell entrindet und nach Durchmesser sowie Krümmung sortiert, wobei stärkere, geradere Stämme (≥120 mm) primären Tragstrukturen und dünnere Stämme (80–100 mm) sekundären Bauteilen bzw. der Verkleidung zugeordnet werden
In der dritten, entwurfs- und simulationsbezogenen Phase werden die erfassten Materialeigenschaften in ein parametrisches Modell überführt (Grasshopper, D.I.E. Baustatik-Software), das statische Berechnungen, Rasterdichte und Bauteilverteilung auf Basis der realen Holzqualitäten steuert. Iterative Prototypen – von Skizzen über physische Modelle bis zu 1:1-Verbindungsdetails – sichern eine enge Rückkopplung zwischen Materialverhalten und digitalem Entwurf.
Die vierte Phase, Fertigung und Montage, findet im Rahmen eines seminaristisch vorbereiteten, mehrtägigen Design-Build-Workshops vor Ort statt: Nach AR-gestützter Fundamentpositionierung werden zunächst Randbalken und Stützen aus den stärksten Stämmen errichtet, gefolgt vom schichtweisen, selbsttragenden Aufbau des Gitterrasters ohne zusätzliches Gerüst. Die AR-Überlagerung führt die Studierenden dabei Schritt für Schritt durch die komplexe Montagesequenz. Abschließend werden offene Stirnholzflächen natürlich geölt, um die Struktur vor Witterungseinflüssen zu schützen. Ein vergleichbarer Demonstrator (6×6 m) konnte im Vorläuferprojekt von einem sechsköpfigen studentischen Team innerhalb von nur vier Tagen realisiert werden – ein Beleg für die Praxistauglichkeit des Formats innerhalb eines kompakten Lehrzeitraums.
Diese gestaffelte Vorgehensweise verbindet Forsterfassung, iterative Entwurfsentwicklung, digitale Simulation und AR-gestützte Realisierung zu einer geschlossenen didaktischen Kette, die Studierenden praxisnah alle Phasen der Wertschöpfung von Holz vermittelt.