Praxisbeispiel

Interdisziplinäre Entwicklung eines Analysetools für Bildungsportale zur Erhöhung des Praxisbezugs im Geschichtslehramts- und Informatikstudium

Lehrende
Prof. Dr. Anke John (Geschichtsdidaktik) und Prof. Dr. Marcel Spehr (Informatik)
Letzte Aktualisierung
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Im Projekt entwickeln Studierende der Angewandten Informatik und des Lehramts Geschichte in einem Blended-Learning-Kooperationsseminar ko-konstruktiv ein Analysetool zur empirischen Rekonstruktion von Nutzungsverläufen auf dem Editions- und Bildungsportal evaschiffmann.de sowie zusätzlich einen KI-Chatbot, der die Zugriffsmöglichkeiten auf das Portal erweitert.  Das Analysetool macht Lernwege und Nutzungsverhalten in der digitalen Lernumgebung sichtbar (von Überblicksdaten bis zu detaillierten Sitzungsverläufen) und wird in Lehrveranstaltungen sowie in schulischen Erprobungen eingesetzt, um Praxisbezug und datengestützte Reflexion zu stärken.

 

Herausforderung in der Lehre

Angehende Geschichtslehrkräfte haben im Studium bislang selten Gelegenheiten, Diagnosekompetenzen systematisch aufzubauen und selbst empirische Nutzungsdaten zum Lernverhalten in digitalen Lernumgebungen zu erheben. Gleichzeitig fehlen Lehramtsstudierenden oft technische Zugänge, um digitale Lernprozesse datenbasiert zu rekonstruieren – während Informatikstudierende praxisnahe, bildungswissenschaftlich relevante Anwendungsfälle benötigen. Zudem ist insgesamt noch wenig darüber bekannt, wie Lernende mit digital aufbereitetem historischen Wissen, historischen Quellen und historischen Darstellungen auf Bildungsportalen umgehen.

Ziele Ihres Praxisbeispiels

• Kompetenzerwerb (Lehramt Geschichte): Aufbau von Diagnose- und Planungskompetenzen durch datengestützte Rekonstruktion von Lernwegen und Reflexion unterschiedlicher Nutzungs-/Lesestrategien in digitalen Umgebungen.
• Kompetenzerwerb (Informatik): Praxisorientierte Entwicklung und Erprobung eines Analyseinstruments (Datenanalyse/Webtechnologien) in einem realen Anwendungskontext der empirischen Lehr-Lernforschung.
• Interdisziplinäre Ko-Konstruktion: Förderung fachübergreifender Problemlöse- und Kommunikationsfähigkeit durch gemeinsame Konzept- und Entwicklungsarbeit.
• Fachlich-fachdidaktische Zielperspektive: Unterstützung eines wissenschaftsförmigen und quellenorientierten Umgangs mit Geschichte in digitalen Lehr-Lernsettings.

Voraussetzungen für die Umsetzung

• Zeit/Organisation: Umsetzung als kooperatives Lehrformat über zwei aufeinanderfolgende Semester (Entwicklung im ersten, Nachvollzug/Reflexion & Datenauswertung im zweiten), mit Block- bzw. Kooperationssitzungen an beiden Standorten.
• Rechtliches/Datenschutz: Klärung datenschutzrechtlicher Voraussetzungen für die Erhebung (potenziell personenbezogener) Nutzungsdaten und entsprechende schulische Einwilligungs-/Informationsprozesse.
• Infrastruktur: Administrativer Zugang zum Portal/Backend und technische Einbettung des Tools in evaschiffmann.de.
• Tools/Lizenzen: Analyseumgebung (im Projekt prototypisch auf Matomo aufbauend) sowie ggf. benötigte Lizenzen/Komponenten für Entwicklung und Betrieb.
• Ressourcen/Personal: Projektbegleitung durch Lehrende und projektbezogene Mitarbeit (Arbeitsplanung inkl. Konzeption, Umsetzung, Auswertung, Dissemination).

Vorgehensweise

Die Umsetzung erfolgte in einem zweisemestrigen, digital gestützten Kooperationsseminar zwischen Angewandter Informatik und Lehramt Geschichte. Zu Beginn wurden organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen (insbesondere Datenschutz und Zugriffsrechte auf das Portal) geklärt und die Lehr-Lernarrangements so geplant, dass fachliche Arbeitsphasen in beiden Studiengängen mit gemeinsamen Kooperationssitzungen verzahnt werden konnten.
Im ersten Semester stand die ko-konstruktive Entwicklung des Analysetools im Vordergrund: Die Lehramtsstudierenden erarbeiteten aus fachdidaktischer Perspektive Analysefragen und Nutzungsszenarien für das Bildungsportal evaschiffmann.de, während die Informatikstudierenden die technische Umsetzung übernahmen (u. a. prototypisch auf Matomo aufbauend) und das Tool schrittweise in die Portalstruktur integrierten. Parallel dazu wurden bereits schulische Datenerhebungen vorbereitet und durchgeführt: In Unterrichtssituationen bzw. schulnahen Settings nutzten Lernende das Portal, während das Tool deren Interaktionen (Lernwege, Navigation, Verweildauern etc.) protokollierte. Diese Erhebungen dienten als empirische Grundlage und zugleich als Praxistest, um Messlogik, Datenqualität und Auswertungsmöglichkeiten iterativ zu prüfen und weiterzuentwickeln.
Im zweiten Semester lag der Schwerpunkt auf der Analyse der in der Schule erhobenen Nutzungsdaten und der didaktisch reflektierten Interpretation der Ergebnisse. Die Studierenden werteten die Datensätze systematisch aus und verbanden die Befunde mit fachdidaktischen Fragestellungen (z. B. typische Navigationsmuster, Nutzung unterschiedlicher Materialien, unterschiedliche Lesestrategien). Dabei wurde die Auswertung auf zwei Ebenen angelegt: Einerseits wurden Überblicksdaten in einem Dashboard zusammengeführt (z. B. Zugriffe, wiederkehrende Nutzende, Endgeräte, Verweildauer), andererseits wurden Sitzungsverläufe detailliert visualisiert (zeitliche Abfolge der besuchten Seiten/Elemente), um konkrete Lernpfade rekonstruieren zu können. Auf Basis der Seminarreflexion und der Analyseergebnisse wurde das Tool zudem weiterentwickelt.

Material zum Praxisbeispiel

Zu sehen sind eine von Studierenden erstelle Readme-Datei zur Beschreibung der Funktionen des Analysetools sowie zwei prototypische Bilder zu den beiden Dashboardebenen des Tools.

Dashboard-Ebene des Analysetools_1
Dashboard-Ebene des Analysetools_2
Readme-Datei zur Beschreibung des Analysetools

Hilfreiche Links und Quellen

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