Praxisbeispiel

Entwicklung des Online-Kurses „Logisches Argumentieren“

Lehrende
Matthias Rickes
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Im Rahmen einer Förderung durch das eTeach-Netzwerk Thüringen wird an der Hochschule Schmalkalden der vollständig neue Onlinekurs „Logisches Argumentieren“ entwickelt. Der Kurs richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen in den Bachelor-Studiengängen und vermittelt Grundlagen des logischen Denkens und der argumentativen Analyse. Erstmals angeboten werden soll er im Wintersemester 2026/2027. Als technische Basis der Kursentwicklung dient der VTS Editor von Serius Factory, ein professionelles Autorenwerkzeug für interaktive E-Learning-Inhalte.

Herausforderung in der Lehre

Logisches Argumentieren ist eine Schlüsselkompetenz, die Studierende spätestens beim Verfassen von Haus- und Abschlussarbeiten benötigen – aber ebenso im beruflichen Alltag, wenn es darum geht, Positionen überzeugend zu vertreten oder Ziele in Diskussionen durchzusetzen. An der Hochschule Schmalkalden existiert bisher kein vergleichbares Angebot, das diese Kompetenz gezielt und praxisnah fördert.
Die Vermittlung dieser Kompetenz im Präsenzformat stößt an enge Grenzen: Rollenspiele und Diskussionen, die für das Einüben von Argumentationsfähigkeiten unerlässlich sind, beanspruchen sehr viel Zeit — mit der Folge, dass sich die aktive Beteiligung auf wenige Studierende beschränkt und die meisten in der Zuschauerrolle verbleiben. Hinzu kommt, dass der Stoff des Kurses mit rund 60 verschiedenen Arten von Fehlschlüssen sehr umfangreich ist. Jede einzelne dieser logischen Fallen erfordert mehrere Übungsbeispiele, damit sie zuverlässig erkannt und von guten Argumenten unterschieden werden kann. Die Anzahl der benötigten Übungsbeispiele übersteigt damit bei weitem das, was im Rahmen einer Präsenzveranstaltung realistisch behandelt werden kann.

Ziele Ihres Praxisbeispiels

Der Onlinekurs „Logisches Argumentieren“ verfolgt das Ziel, Studierende aller Bachelor-Studiengänge systematisch in der Fähigkeit zum logischen Denken und Argumentieren zu schulen. Im Mittelpunkt steht dabei das Erkennen von Fehlschlüssen und schwachen Argumenten — denn wer Fehlschlüsse zuverlässig identifizieren kann, entwickelt dadurch zugleich ein sicheres Gespür dafür, was ein gutes Argument ausmacht, und ist schließlich in der Lage, selbst überzeugend und logisch konsistent zu argumentieren. Der Kurs behandelt rund 60 verschiedene Arten von Fehlschlüssen und basiert inhaltlich auf dem Werk „Attacking Faulty Reasoning“ von T. Edward Damer.
Um die für das sichere Erkennen jedes einzelnen Fehlschlusses notwendige Übungsdichte zu erreichen, setzt der Kurs auf eine sehr hohe Anzahl authentischer Videobeispiele, die reale Diskussionssituationen zeigen und unmittelbar mit Übungsaufgaben verknüpft sind. Der Kurs ist linear aufgebaut, erlaubt aber gleichzeitig den gezielten Zugriff auf einzelne Module zur Wiederholung oder Vertiefung. Er ist sowohl als eigenständiges Selbstlernangebot als auch als einbettbares Element in bestehende Lehrveranstaltungen konzipiert.

Voraussetzungen für die Umsetzung

Für Studierende der Hochschule Schmalkalden sind keine besonderen technischen Voraussetzungen erforderlich, da der fertige Kurs auf der hochschuleigenen Moodle-Instanz veröffentlicht wird, zu der alle Studierenden ohnehin Zugang haben.
Der Nachbau eines vergleichbaren Kurses durch andere Lehrende setzt den VTS Editor von Serius Factory nicht zwingend voraus. Dieser bietet jedoch den erheblichen Vorteil, Videos, Audios, Gesprächssimulationen und weitere interaktive Elemente in einer einzigen Autorenumgebung zu integrieren und auf ansprechende, spielerische Weise zu verknüpfen.
Grundsätzlich ist zu beachten, dass die Entwicklung eines solchen Kurses mit erheblichem Aufwand verbunden ist. Als vollständiger Ersatz einer Lehrveranstaltung mit zwei Semesterwochenstunden muss der Kurs einen Workload von ca. 30 Stunden für die Studierenden abdecken. Den größten Produktionsaufwand stellt dabei die Erstellung der Videoübungen dar: Geplant sind zwischen 250 und 350 kurze Videoszenen von jeweils 10 bis 30 Sekunden Länge, die authentische Diskussionssituationen zeigen. Technisch realisierbar wird dies durch den gezielten Einsatz generativer KI — konkret durch die Software dzine.ai und yapper.so, die die Produktion exakt vorgegebener Dialogvideos ermöglicht.
Auch die theoretischen Kursabschnitte erfordern einen erheblichen Produktionsaufwand: Jede Lerneinheit wird durch eine kurze, direkt im VTS Editor erstellte Dialogszene eingeleitet und durch kommentierte Präsentationen mit parallel gezeigten Slides vertieft. Für die effiziente Erstellung der zahlreichen Slides wird ebenfalls generative KI eingesetzt. Hier wäre beispielsweise Claude for Powerpoint zu nennen.

Vorgehensweise

Der Kurs wird von einem einzelnen Lehrenden vollständig in Eigenregie entwickelt. Die Entwicklung der theoretischen Kursabschnitte und der praktischen Videoübungen erfolgt dabei parallel. Jede Lerneinheit wird durch eine kurze Dialogszene eingeleitet, die direkt im VTS Editor erstellt wird, und durch eine kommentierte Präsentation mit parallel gezeigten Slides vertieft. Die Videoübungen basieren auf kurzen, authentischen Dialogszenen, die mit der Software dzine.ai produziert werden und reale Diskussionssituationen simulieren. Jede Videoübung schließt unmittelbar mit einer Aufgabe ab, die das Erkennen des jeweiligen Fehlschlusses trainiert.
Der Kurs ist für das vollständige Selbststudium konzipiert. Die Studierenden durchlaufen ihn eigenständig und in ihrem eigenen Tempo, ohne begleitende Präsenztermine. Für Rückfragen steht der Lehrende jedoch jederzeit persönlich zur Verfügung. Nach dem erstmaligen Einsatz im Wintersemester 2026/2027 soll der Kurs auf Basis persönlicher Rückmeldungen der Studierenden kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Ihre Anregung oder Frage

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