Praxisbeispiel

„Koloniale Erziehungsinstitutionen“ – Blended-Learning-Einheiten zum Thema deutscher Kolonialismus

Lehrende
Prof.Dr. Diana Düring
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Die Blended-Learning-Einheiten führen Studierende vertieft in das Thema des deutschen Kolonialismus anhand von Archivmaterial ein. Der Fokus liegt auf Kindheit, Erziehung und Erziehungsinstitutionen im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika. Zugleich werden die historischen Ereignisse und Entwicklungen im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gegenwart reflektiert.

Herausforderung in der Lehre

Im „digitalen Zeitalter“ verändern sich Zugänge zu Wissen und Informationen rasant – dies betrifft auch das historische Lernen. Hochschullehre steht vor der Herausforderung, Studierende dabei zu unterstützen, Informationen einzuordnen, kritisch zu reflektieren und in gesellschaftlich relevante Kontexte zu übertragen.
Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis häufig, dass es Studierenden schwerfällt, sich eigenständig mit historischen Quellen und Prozessen auseinanderzusetzen sowie Bezüge zu gegenwärtigen Entwicklungen herzustellen.

Ziele Ihres Praxisbeispiels

Ziel der Lerneinheiten war es, Studierende vertieft in das Thema Kolonialismus anhand von Archivmaterial einzuführen, mit einem besonderen Fokus auf Kindheit, Erziehung und Erziehungsinstitutionen im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika.
Die Studierenden erwerben dabei Fach-, Methoden-, Selbst- und Sozialkompetenzen. Dazu gehören unter anderem das Benennen zentraler Aspekte des Kolonialismus, die Durchführung von Quellenkritik, die Analyse von Archivmaterial sowie die kooperative Erstellung von Postern zur Präsentation der Ergebnisse.
Nach der Bearbeitung der Einheit können die Studierenden:
• zentrale Phasen und Aspekte des Kolonialismus in Deutsch-Südwestafrika benennen und unterscheiden (Fachkompetenz)
• die Bedeutung von Erziehung im Kontext von Kolonialisierung erklären (Fachkompetenz)
• Quellen kritisch analysieren (Methodenkompetenz)
• Archivmaterialien eigenständig nutzen und auswerten (Methodenkompetenz)
• ein wissenschaftliches Selbstverständnis durch die eigenständige Erarbeitung von Lerninhalten entwickeln (Selbstkompetenz)
• in Gruppen kooperieren und Ergebnisse gemeinsam in Form von Postern aufbereiten und präsentieren (Sozialkompetenz)

Voraussetzungen für die Umsetzung

Für die Umsetzung waren finanzielle Mittel für eine wissenschaftliche Assistenz sowie Sachmittel für Fachliteratur erforderlich.
Darüber hinaus war die Unterstützung durch das hochschuldidaktische Team der EAH (Beratung, Feedback und Unterstützung bei der Nutzung digitaler Tools) äußerst hilfreich. Ebenso trug das begleitende Weiterbildungsprogramm (z. B. zu H5P) wesentlich zur erfolgreichen Umsetzung bei.

Vorgehensweise

Die Selbstlerneinheiten wurden in Zusammenarbeit mit einer wissenschaftlichen Assistenz entwickelt. Grundlage bildeten sowohl Archivmaterialien und erste Forschungsergebnisse der Antragstellerin als auch eine umfassende Recherche zu Materialien der dekolonialen Bildungsarbeit sowie zu Tutorials zur Quellenarbeit.

Im Ergebnis entstand ein siebenteiliger Moodle-Kurs mit integrierten H5P-Elementen. Dieser wurde in der Mitte des Seminarverlaufs platziert, sodass die vorangehenden Präsenzsitzungen der Einführung in den Themenkomplex dienten (u. a. Grundbegriffe wie Kolonialismus/Postkolonialismus, Etablierung deutscher Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwestafrika, Kriege und Genozide, Erinnerungsarbeit und Anerkennungskämpfe). Die nachfolgenden Präsenzsitzungen dienten der Präsentation und Diskussion der Ergebnisse.

Der Moodle-Kurs erstreckt sich über zwei Seminartermine à 180 Minuten und umfasst folgende Elemente:
1. Quiz zum deutschen Kolonialismus
2. Dokumentarfilm mit anschließenden Fragen (Bearbeitung über ein gemeinsames digitales Pinnwand-Tool)
3. Zeitleiste zu thematisch relevanten historischen Ereignissen der deutschen Kolonisation im heutigen Namibia
4. Online-Tutorial zur Arbeit mit historischen Quellen (Universität zu Köln) , ergänzt durch Texte zu rassistischen Begriffen in historischen Dokumenten und deren teilweise fortbestehender Verwendung im heutigen Sprachgebrauch
5. Gruppenprojekt:
Die Studierenden erhalten historisches Quellenmaterial – u.a. (auto)biografische Texte, Briefe, Berichte – sowie dazugehörige Arbeitsaufträge. Sie wählen ein Thema aus und bearbeiten dieses in Kleingruppen (4–5 Personen). Die Ergebnisse werden in Form eines Posters aufbereitet und in der abschließenden Präsenzsitzung präsentiert.
6. Feedback zum Kurs
7. Literaturverzeichnis

Material zum Praxisbeispiel

Hilfreiche Links und Quellen

Auswahl:
https://www.mangoes-and-bullets.org
Eva Cersovsky, Nicole Kramer et al., Tutorium Quellenarbeit (DOI: https://dx.doi.org/10.18716/estudies/00015), in: historicum-estudies, 2023 (13.3.2026).
S. Arndt & N. Ofuatey-Alazard (2021) (Hrsg.), Wie Rassismus aus Wörtern spricht: (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutscher Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk (4. Auflage, S. 660–667). Unrast-Verlag.
Gründer, H. (2023). Geschichte der deutschen Kolonien (8. Aktualisierte Auflage). utb Geschichte: Bd. 1332. Brill | Schöningh.
Kreienbaum, J. (2015). „Ein trauriges Fiasko“: Koloniale Konzentrationslager im südlichen Afrika 1900-1908. Studien zur Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Hamburger Edition.
Hartmann, W. (2002). Sexual Encounters and Their Implications on an Open and Closing Frontier: Central Namibia from the 1840s to 1905. Columbia University.

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