Praxisbeispiel

Interdisziplinäre Innovation in der Energieforschung – Weiterentwicklung eines Moduls zu einer hochschulübergreifenden Lehrveranstaltung

Lehrende
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dirk Westermann
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Im Projekt „Interdisziplinäre Innovation in der Energieforschung – Weiterentwicklung eines Moduls zu einer hochschulübergreifenden Lehrveranstaltung“ sollte die Lehrveranstaltung Energieforschung und Innovationsmethoden 2 an der TU Ilmenau zu einer hochschulübergreifenden Lehrveranstaltung weiterentwickelt werden. Dieses Praxisbeispiel beschreibt, was bei der Weiterentwicklung zu beachten ist.

Herausforderung in der Lehre

Absolvierende technischer Studiengänge, insbesondere des Masterstudiengangs Elektrische Energiesysteme, benötigen ein hohes Maß an Interdisziplinarität, um den komplexen Herausforderungen der Energiewende angemessen begegnen zu können. Der Studiengang ist gezielt auf eine industrielle Tätigkeit bei Netzbetreibern sowie auf eine akademische Laufbahn ausgerichtet. Klassische ingenieurwissenschaftliche Curricula sehen entsprechende interdisziplinäre Lehrformate jedoch in der Regel nicht vor. Aus diesem Grund werden im Masterstudiengang Elektrische Energiesysteme die Module Energieforschung und Innovationsmethoden 1 und 2 in das Curriculum integriert. In diesen Modulen werden den Studierenden Innovationsmethoden vermittelt, insbesondere Scrum und Design Thinking. Deren Anwendung wird anhand praxisnaher Herausforderungen erprobt.

Durch die Öffnung des Moduls für weitere Studiengänge sowie für Studierende anderer Hochschulen wird die Interdisziplinarität gezielt erhöht. Auf diese Weise können Fragestellungen stärker an realen Innovations- und Entwicklungsprozessen ausgerichtet und in konkurrierenden Design-Teams bearbeitet werden. Dies ermöglicht eine realitätsnahe Simulation kooperativer und zugleich wettbewerblicher Arbeitsformen, wie sie in industriellen Innovationskontexten üblich sind.

Aufgrund der räumlichen Distanz zwischen den beteiligten Partnerhochschulen wird für die Durchführung des Lehrformats eine hybride Lehr- und Lernumgebung genutzt, die eine standortübergreifende Zusammenarbeit der Studierenden ermöglicht und zugleich synchrone sowie asynchrone Arbeitsformen unterstützt.

Ziele Ihres Praxisbeispiels

Die Weiterentwicklung der Lehrveranstaltung „Energieforschung und Innovationsmethoden 2“ zu einem hybriden, hochschulübergreifenden Lehrformat verfolgt das Ziel, die interdisziplinären Kompetenzen der Studierenden systematisch zu stärken. Durch die gezielte Einbindung weiterer Fachdisziplinen neben der Elektrotechnik und Energiesystemtechnik wird die inhaltliche Breite des Moduls erhöht und zugleich die Zugänglichkeit für Studierende unterschiedlicher Studiengänge verbessert. Auf diese Weise wird ein Lernumfeld geschaffen, in dem fachübergreifende Perspektiven integriert und kooperative Arbeitsformen erprobt werden können.

Die Umsetzung dieser Maßnahmen dient der gezielten Vorbereitung der Studierenden auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes, in dem Teamfähigkeit, interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Fähigkeit zur gemeinsamen Entwicklung von Lösungen eine zentrale Rolle spielen.

Voraussetzungen für die Umsetzung

Für die Umsetzung wird eine stabile und verlässliche Hochschulpartnerschaft als grundlegende Voraussetzung angesehen. Beide Partnerinstitutionen müssen in der Lage sein, eine ausreichende Zahl an Studierenden für die Teilnahme bereitzustellen. Für den Einsatz der Design-Thinking-Methode hat sich in den vergangenen Jahren eine Teilnehmendenzahl von etwa acht bis zehn Studierenden als geeignet erwiesen. Mit dieser Gruppengröße können zwei Teams gebildet werden, die parallel und in einem bewusst konkurrierenden Setting an einer gemeinsamen Design Challenge arbeiten. Dadurch werden sowohl kollaborative als auch wettbewerbliche Lernprozesse unterstützt.

Neben organisatorischen Voraussetzungen müssen auch geeignete technische Rahmenbedingungen geschaffen werden. Der Lehrraum sollte so ausgestattet sein, dass zwei Teams gleichzeitig an getrennten Online-Meetings teilnehmen können und zugleich die Möglichkeit besteht, gemeinsame Sitzungen mit einer remote zugeschalteten Gruppe durchzuführen. Hierfür werden zwei Videokonferenzsysteme sowie geeignete Infrastrukturen zum Erfassen, Visualisieren und Teilen von Notizen benötigt. Dies kann beispielsweise durch den Einsatz von Tablets realisiert werden, die zugleich in der regulären Lehre genutzt werden können.

Falls Studierende eigene Geräte verwenden, muss eine ausreichende Versorgung mit Steckdosen sowie eine stabile Internetanbindung gewährleistet sein. Für Online-Meetings wird insbesondere eine Anbindung über LAN-Dosen empfohlen, um eine dauerhaft ausreichende Bandbreite sicherzustellen.

Vorgehensweise

Im Rahmen des Projekts werden zunächst die technischen Voraussetzungen für die Durchführung einer hybriden Lehrveranstaltung geschaffen. Hierzu werden bestehende Einrichtungen gezielt aktualisiert, indem Smartboards und Tablets angeschafft sowie das Video- und Audiosystem aufgerüstet werden. Ergänzend wird der Raum mit flexiblen Möbeln ausgestattet, um unterschiedliche Lehr- und Arbeitssituationen unterstützen zu können.

Die installierte Technik wird anschließend im Rahmen regulärer Vorlesungen und Übungen erprobt und systematisch evaluiert. Auf Basis dieser Erprobungsphase werden einzelne Optimierungen vorgenommen, insbesondere durch die Einrichtung von LAN-Verbindungen für Konferenzlaptops zur Sicherstellung stabiler Online-Verbindungen. Nach Abschluss dieser Anpassungen wird die hybride Lehrveranstaltung detailliert geplant und die Studierenden werden frühzeitig über Ablauf, Anforderungen und Arbeitsformen informiert.

Während der Durchführung wird zunächst ein kompakter Input-Tag für die Studierenden umgesetzt. In der anschließenden Retrospektive zeigt sich jedoch, dass die angewandte Design-Thinking-Methode für ein eintägiges Format zu komplex ist. Als zielführender wird eine Struktur mit mehreren Projekttagen bewertet, in denen jeweils ein methodischer Baustein vertieft behandelt wird. Die Abschlussveranstaltung wird ebenfalls in hybrider Form durchgeführt. Es zeigt sich, dass für die Teamarbeit ein physisches Ersttreffen der Teilnehmenden vorteilhaft ist, um Kennenlernen, Gruppenbildung und Vertrauensaufbau zu unterstützen.

Als zentrale Erfolgsbedingung wird zudem die kontinuierliche Begleitung durch einen erfahrenen Design-Thinking-Coach identifiziert, der den Prozess über die gesamte Laufzeit moderiert und methodisch unterstützt. Bei Bedarf an weiterführenden Kontakten kann eine entsprechende Vermittlung erfolgen.

Material zum Praxisbeispiel

Im Rahmen des eTeach-Projekts ist ein Paper entstanden, welches auf dem MINT-Symposium 2025 an der TH Nürnberg vorgestellt wurde. Dieses Paper beleuchtet die Lehrveranstaltung Energieforschung und Innovationsmethoden 2, welche im Rahmen des Projekts weiterentwickelt wurde:
C. T. Gatermann, N. I. Belz, R. Pabst und D. Westermann, „Curriculumdesign für einen forschungsorientierten Energiesysteme Master,“ 6. Symposium zur Hochschullehre in den MINT-Fächern, Nürnberg, Deutschland, 2025, pp. 161-169, doi: https://doi.org/10.57825/repo_in-6369

Hilfreiche Links und Quellen

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