eTeach-Förderung 2027 setzt Schwerpunkt auf Future Skills und KI
Das eTeach-Netzwerk Thüringen fördert im Jahr 2027 insgesamt acht innovative Lehrvorhaben: Drei Kooperative Impulsprojekte und fünf eTeach-Freiraum-Projekte wurden im Rahmen der diesjährigen Ausschreibung ausgewählt. Mit 25 Anträgen für Kooperative Impulsprojekte und 19 Anträgen für eTeach-Freiräume stieß die Ausschreibung erneut auf großes Interesse. Insgesamt gingen 44 Anträge ein, die zeigen, wie engagiert Thüringer Lehrende die Hochschullehre weiterentwickeln.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Förderung stand die Frage, wie Future Skills gezielt in der Hochschullehre gefördert werden können. Dabei zeigte sich insbesondere ein großes Interesse an der Verbindung von Future Skills und Künstlicher Intelligenz. Zahlreiche Vorhaben beschäftigen sich mit KI-gestützten Lehr- und Lernszenarien, dem Einsatz generativer KI sowie der Frage, wie Studierende einen reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit KI entwickeln können.
Kooperative Impulsprojekte 2027
Die Kooperativen Impulsprojekte bringen Lehrende verschiedener Thüringer Hochschulen zusammen, um innovative Lehrkonzepte zu entwickeln, zu erproben und ihre Übertragbarkeit zu untersuchen.
KI-gestützte Praxissimulation für angewandte quantitative Problemlösung (PraxisSim)
Friedrich-Schiller-Universität & Technische Universität Ilmenau
Im Projekt von Dr. Celso Gustavo Stall Sikora und Prof. Dr. Volker Nissen wird eine webbasierte KI-Simulation entwickelt, in der Studierende realistische Projektsituationen mit unklaren, fragmentierten und teils widersprüchlichen Informationen bearbeiten. Mithilfe von KI-Personas lernen Studierende, Problemstellungen eigenständig zu identifizieren, gezielt Informationen zu erheben, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und geeignete Lösungsansätze zu entwickeln.
Spielerischer Kompetenzerwerb in immersiven Lernwelten zum Verhalten von Tragwerken unter seismischen Einwirkungen (SKILLS)
Bauhaus-Universität Weimar & Technische Universität Ilmenau
Gemeinsam mit Studierenden entwickeln Jun.-Prof. Dr.-Ing. Lars Abrahamczyk und Dipl-Inf. Gunther Kreuzberger einen immersiven Educational Escape Room, der das Verhalten von Tragwerken unter seismischer Belastung, beispielsweise bei Erdbeben, untersucht. Die XR-Anwendung macht dabei real schwer zugängliche Schadensszenarien sicher und wiederholbar erfahrbar.
Die Open-AI-Klausur: Entwicklung und Erprobung eines kompetenzorientierten Prüfungsformats in Zeiten generativer KI
Friedrich-Schiller-Universität & Bauhaus-Universität Weimar
Ein Team um Prof. Dr. Michael Wessel und Dr.-Ing. Andrea Lück entwickeln die Open-Book-Klausur zur Open-AI-Klausur weiter. Studierende dürfen dabei generative KI nutzen, die Aufgaben lassen sich jedoch nicht durch bloßes Prompten lösen. Gefordert ist vielmehr, KI-Ausgaben fachlich zu prüfen, kritisch einzuordnen sowie darauf aufbauend eigenständige und begründete Entscheidungen zu treffen. Dafür entstehen neue Aufgabentypen, eine Bewertungsrubrik und ein KI-Prüfungssystem, das auf hochschuleigenen Servern betrieben wird.
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eTeach-Freiraum-Projekte 2027
Die eTeach-Freiräume ermöglichen Lehrenden, ihre Lehrveranstaltungen gezielt weiterzuentwickeln und neue didaktische Methoden sowie digitale Werkzeuge zu erproben. Die fünf ausgewählten Projekte setzen auf automatisiertes Feedback, interaktive Vorbereitung, spielerisches Lernen und digitale Simulationen, um Studierende beim selbstständigen und aktiven Kompetenzerwerb zu unterstützen.
FLiP – Feedbackgestütztes Lernen in der Programmierausbildung
Duale Hochschule Gera-Eisenach – Prof. Dr. Thomas Heinze
Das Projekt entwickelt die Programmierausbildung didaktisch weiter, indem Programmierübungen automatisiert ausgewertet und Studierenden unmittelbare Rückmeldungen zu ihren Lösungen gegeben werden. Das zeitnahe Feedback soll Lernprozesse unterstützen, Fehler frühzeitig sichtbar machen und Studierende dabei begleiten, ihre Programmierkompetenzen schrittweise auszubauen.
Vom Aufschieben zur selbstbestimmten Lernroutine – tutoriale Unterstützung in digitalen Lehrformaten
Hochschule Schmalkalden – Prof. Dr. Kurt Englmeier
Das Projekt stärkt die tutorielle Unterstützung in bestehenden digitalen Lernformaten der Fakultät Informatik. Dazu werden Interaktionsmuster entwickelt und in digitale Lernprozesse integriert, um Prokrastination entgegenzuwirken. Ziel ist es, Studierende gezielter zu begleiten, ihre aktive Beteiligung zu fördern und sie dabei zu unterstützen, selbstbestimmte und verlässliche Lernroutinen zu entwickeln.
Aktivierende digitale Vorbereitung experimenteller Lehrveranstaltungen in der Mechanischen Verfahrenstechnik
Ernst-Abbe-Hochschule Jena – Prof. Dr. Paul Engelke
Für ausgewählte, thematisch zusammenhängende Praktikumsversuche entstehen sechs digitale Vorbereitungsbausteine. Interaktive Elemente regen Studierende dazu an, sich bereits vor der Präsenzveranstaltung mit dem Wirkprinzip und dem Versuchsaufbau auseinanderzusetzen und Annahmen zum Systemverhalten zu treffen. So sollen sie besser vorbereitet in die experimentellen Lehrveranstaltungen starten und Beobachtungen und Versuchsergebnisse fundierter einordnen können.
„Play the Factory“ – Gamifizierte Lernumgebung für Industrie-4.0- und Industrie-5.0-Kompetenzen
Hochschule Schmalkalden – Prof. Dr. Florian Johannsen
Mit „Play the Factory“ entsteht eine gamifizierte Lernumgebung, in der Studierende Industrie-4.0-Szenarien mithilfe vorhandener Maschinenkomponenten in Kleingruppen selbstständig durchführen können. Simulationskomponenten machen theoretische Inhalte spielerisch erfahrbar. Das Projekt verbindet damit handlungsorientiertes Lernen mit der Auseinandersetzung mit modernen industriellen Technologien und ihren Anwendungsmöglichkeiten.
Wokwi-Gym – Eine interaktive Simulationsumgebung für eingebettete und mechatronische Systeme
Hochschule Schmalkalden – Prof. Dr.-Ing. Christoph Menz
Das Projekt entwickelt eine leicht zugängliche Simulationsumgebung, mit der Studierende technische Systeme eigenständig untersuchen, verändern und die Auswirkungen ihrer Eingriffe beobachten können. Dafür entstehen modulare, aufeinander aufbauende Simulationsbausteine. Sie ermöglichen ein schrittweises und praxisnahes Lernen und unterstützen Studierende dabei, technische Zusammenhänge durch eigenes Experimentieren besser zu verstehen.
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Ausblick
Die geförderten Projekte 2027 zeigen, wie vielfältig die Weiterentwicklung der Thüringer Hochschullehre gestaltet wird. Von KI-gestützten Simulationen und neuen Prüfungsformaten über immersive Lernumgebungen bis hin zu interaktiven Programmierübungen und gamifizierten technischen Lernwelten entstehen unterschiedliche Ansätze, um Studierende aktiver in Lernprozesse einzubeziehen und sie auf komplexe berufliche Anforderungen vorzubereiten.
Besonders deutlich wird dabei die Verbindung von fachlichem Lernen mit überfachlichen Kompetenzen: Studierende sollen Probleme eigenständig erkennen, Informationen kritisch bewerten, gemeinsam Lösungen entwickeln und digitale Werkzeuge reflektiert einsetzen können. Damit greifen die Vorhaben den Schwerpunkt Future Skills auf und zeigen, wie sich diese Kompetenzen in konkreten Lehr- und Prüfungssituationen fördern lassen.
So entstehen Impulse für eine zukunftsorientierte Hochschullehre, die digitale Möglichkeiten didaktisch sinnvoll einsetzt und Studierende auf eine sich wandelnde Arbeits- und Lebenswelt vorbereitet.