Lehrentwicklung lebt vom Dialog
Bereits zum fünften Mal brachte das Vernetzungstreffen „ImDialog“ Lehrende, Projektverantwortliche und Geförderte aus verschiedenen Thüringer Hochschulen in der Aula der Ernst-Abbe-Hochschule Jena zusammen. Im Mittelpunkt stand der hochschulübergreifende Austausch zu innovativen Lehrkonzepten sowie die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der digitalen Transformation in Studium und Lehre.
Die Grußworte von Prof. Dr. Mario Brandtner und Prof. Dr. Cordula Borbe verdeutlichten dabei die zentrale Rolle des eTeach-Netzwerks als Plattform für Vernetzung, Wissenstransfer und Innovation. Gerade vor dem Hintergrund tiefgreifender Veränderungen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz wurde die Bedeutung gemeinsamer Entwicklungsräume für die Zukunftsfähigkeit der Thüringer Hochschullandschaft hervorgehoben.
Einen zentralen Programmpunkt bildeten die Projektpitches mit anschließendem Posterwalk. In kurzen Präsentationen stellten Forschende und Lehrende aus Thüringer Hochschulen insgesamt 14 innovative Projekte vor und verdeutlichten die Vielfalt aktueller Lehrinnovationen an Thüringer Hochschulen. Vorgestellt wurden Projekte zu KI-gestützten Lehr- und Lernformaten, digitalen Übungs- und Prüfungsangeboten, gamifizierten Lernumgebungen sowie Virtual- und Mixed-Reality-Anwendungen. Weitere Schwerpunkte lagen auf der Entwicklung international nutzbarer Lehrmaterialien, der aktiven Einbindung von Studierenden in Lehrentwicklungsprozesse sowie der diversitätsgerechten Gestaltung digitaler Lernangebote.
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Besonders vielfältig gestalteten sich die anschließenden Thementischrunden. In drei Diskussionsrunden standen aktuelle Fragestellungen der Hochschullehre im Mittelpunkt. Im Arbeitsfeld Künstliche Intelligenz wurden unter anderem KI-Souveränität, Qualifizierungsangebote sowie der GenKI-Führerschein diskutiert. Weitere Gesprächsrunden beschäftigten sich mit formativen Prüfungsformen in Moodle, digitalen Prüfungsformaten, E-Portfolios; mit Future Skills, darunter der Bedeutung von Reflexion für das Sichtbarmachen von Kompetenzen; mit studentischer Partizipation, darunter dem Kennenlernen und Anwenden der Persona-Methode sowie mit Fragen des Transfers und der nachhaltigen Verstetigung von Projektergebnissen.
Das Format bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, Erfahrungen aus unterschiedlichen Hochschulkontexten zusammenzuführen und gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln.
Ein weiterer Höhepunkt des Tages war die Ausgabe von Talks@eTeach mit Prof. Dr. Dirk Schmalzried unter dem Titel „KI-Kompetenzen für morgen: Warum Hochschulen jetzt dringend handeln müssen“. In seinem Vortrag zeichnete Schmalzried ein nachdenkliches Bild der aktuellen Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. KI-Systeme hätten inzwischen in vielen Bereichen menschliches Leistungsniveau erreicht oder sogar übertroffen. Dies habe weitreichende Konsequenzen für zahlreiche Berufsfelder und stelle auch die Hochschulbildung vor grundlegende Veränderungen. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Frage, welche Kompetenzen Studierende künftig benötigen, um in einer von KI geprägten Arbeitswelt erfolgreich zu sein. Neben technischem Verständnis seien insbesondere Innovationsfähigkeit, Transformationskompetenz, rechtliche Kenntnisse sowie persönliche Resilienz gefragt. Anhand praxisnaher Beispiele zeigte Schmalzried auf, welche Möglichkeiten generative KI bereits heute eröffnet und welche Herausforderungen daraus für Lehre und Prüfungen entstehen. Traditionelle Prüfungsformen, die vor allem das Endprodukt bewerten, müssten künftig stärker durch kompetenz- und prozessorientierte Ansätze ergänzt werden. Hochschulen seien gefordert, kritisches Denken, methodische Tiefe und einen souveränen Umgang mit KI sichtbar und bewertbar zu machen. Der Vortrag wurde hybrid aus der Aula übertragen.
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Der fünfte Dialog-Workshop hat gezeigt, welches Innovationspotenzial in der Thüringer Hochschullehre vorhanden ist, wenn Erfahrungen, Ideen und Expertise hochschulübergreifend zusammengeführt werden. Die vorgestellten Projekte und Diskussionen machten deutlich, dass die Herausforderungen der digitalen Transformation nicht von einzelnen Akteurinnen und Akteuren oder Institutionen bewältigt werden können, sondern gemeinsame Entwicklungsprozesse erfordern.
Fotos: Emily Ungermann, Uwe Cämmerer-Seibel