Medien- und digitalisierungsbezogene Future Skills
In einer zunehmend dynamischen und digital geprägten Welt verändern sich die Anforderungen an Studium und Lehre. Neben fachlichem Wissen gewinnen auch sogenannte Future Skills an Bedeutung. Sie befähigen Menschen, Wissen flexibel anzuwenden, komplexe Probleme zu bearbeiten und verantwortungsvoll in einer digital geprägten Gesellschaft zu handeln.
Im Arbeitsfeld greifen wir zentrale Konzepte und aktuelle Entwicklungen rund um Future Skills auf und geben Impulse für die Förderung in Studium und Lehre.
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Der Begriff Future Skills knüpft an frühere Kompetenzkonzepte an, die seit den 1990er-Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Im Mittelpunkt steht dabei ein Bildungsverständnis, das über die Vermittlung von reinem Fachwissen hinausgeht und die Förderung von anwendungsorientierten Fähigkeiten betont.
Wichtige Vorläufer sind die „21st Century Skills“ (2002), die erstmals Zukunftskompetenzen wie kritisches Denken, Kreativität, Kollaboration und Kommunikation beschreiben. Mit der zunehmenden Digitalisierung der Lebenswelt entstanden parallel dazu verschiedene Kompetenzrahmen, die Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Technologien, Daten und Medien stärker in den Fokus rückten. In diesem Zusammenhang ist der European Digital Competence Framework (DigComp, 2006) zu nennen.
In den 2010er-Jahren wurde der Kompetenzbegriff weiter ausdifferenziert und um Perspektiven gesellschaftlicher Verantwortung und lebenslangen Lernens erweitert (OECD Learning Compass 2023, 2015). Gleichzeitig wurden erste KI-spezifische Kompetenzrahmen veröffentlicht.
Der Begriff Future Skills etablierte sich insbesondere im Zuge dieser Diskussionen um digitale Transformation, Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Heute dient er als übergreifender Begriff für Handlungskompetenzen, die Menschen befähigen, in einer dynamischen und digital geprägten Welt reflektiert, verantwortungsvoll und gestaltend zu handeln:
„Future Skills in der Breite umfassen übergreifende, auf die Persönlichkeit, die Arbeitswelt und die Gesellschaft bezogene Zukunftskompetenzen, die für alle Menschen relevant sind. … Future Skills befähigen Menschen, Gesellschaft und Wirtschaft im Wandel souverän, verantwortungsbewusst und gemeinschaftlich mitzugestalten und stärken damit die Innovationskraft der Gesellschaft. Sie umfassen Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen.“ (Stifterverband: Future Skills 2030, 2025)
In den vergangenen Jahren sind im deutschsprachigen Raum, aber auch international verschiedene Modelle entstanden, die Future Skills systematisch beschreiben und strukturieren.
Zu den häufig rezipierten Modellen gehören beispielsweise:
- das Future Skills Framework 2030 des Stifterverbands und von McKinsey (Stifterverband, 2025),
- der Future Skills Navigator (Pechstein & Schwemmle, 2024),
- der AIComp – Zukunftskompetenzen für eine durch KI geprägte Lebenswelt (Ehlers, Lindner & Rauch, 2023),
- die Inner Development Goals (IDG Framework, 2021),
- das Future Skills Framework von NextSkills (Ehlers, 2020),
- der OECD Lernkompass 2030 (OECD, 2020).
Diese Modelle bieten eine hilfreiche Orientierung, um zentrale Kompetenzen für eine sich wandelnde Gesellschaft zu beschreiben. Gleichzeitig ist der Begriff Future Skills nicht einheitlich definiert und wird von verschiedenen Akteuren unterschiedlich interpretiert. Die Vielzahl an Modellen führt daher teilweise zu begrifflichen Unschärfen, Überschneidungen und fehlender Systematik (Ehlers, 2025: Future Skills im Vergleich). Kritisch diskutiert wird zudem eine sogenannte „Skillflation“, also die fortlaufende Erweiterung von Kompetenzkatalogen ohne ausreichende empirische Evidenz oder klare wissenschaftliche Fundierung. Da viele Modelle von unterschiedlichen Akteur*innen aus Wirtschaft, Politik oder Bildung entwickelt werden, spiegeln sie häufig auch spezifische Perspektiven und Interessen wider. Future Skills-Modelle sollten daher vor allem als Orientierungshilfen verstanden und stets im jeweiligen Kontext betrachtet werden.
Der Begriff Future Skills hat sich in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Leitkonzept in bildungspolitischen und arbeitsmarktbezogenen Debatten entwickelt. Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen tragen hierbei eine besondere Verantwortung, um junge Menschen auf eine zunehmend komplexe, digitalisierte und dynamische Welt vorzubereiten. Entscheidend sind daher Lernräume, in denen sie Kompetenzen entwickeln, um Veränderungen reflektiert zu begegnen und sie aktiv mitzugestalten.
Als eTeach-Netzwerk Thüringen sehen wir in der Förderung von Future Skills eine wichtige Chance, Studium und Lehre zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der Erwerb einzelner Kompetenzen, sondern die Fähigkeit von Studierenden, Wissen flexibel anzuwenden, komplexe Probleme zu bearbeiten und Verantwortung in einer digital geprägten Gesellschaft zu übernehmen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt für uns auf digitalisierungsbezogene Kompetenzen. Dazu gehören insbesondere:
- der reflektierte Umgang mit digitalen Werkzeugen,
- datenbezogene Kompetenzen, auch Data Literacy genannt,
- KI-bezogene Fähigkeiten sowie
- die Fähigkeit, digitale Technologien kritisch zu verstehen und verantwortungsvoll zu nutzen.
Digitale Kompetenzen stellen jedoch keinen isolierten Bereich dar, sondern durchziehen alle Future Skills und verstärken deren Wirkung. Sie sind eng mit Fähigkeiten wie z. B. Problemlösekompetenz, Kollaboration oder selbstorganisiertem Lernen verbunden und bilden eine wichtige Grundlage für deren Entwicklung. Deshalb konzentrieren wir uns nicht nur auf explizit digitalisierungsbezogene Fähigkeiten, sondern betrachten sie ganzheitlich als integralen Bestandteil aller Future Skills.
Insgesamt eröffnen Future Skills vielfältige Chancen:
- für die Förderung von selbstorganisiertem und lebenslangem Lernen,
- für die Entwicklung von kritischem Denken und Problemlösefähigkeit,
- für die Stärkung von Kollaboration, Kreativität und Anpassungsfähigkeit sowie
- für die gezielte Verbindung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen in Studium und Lehre.
Vor diesem Hintergrund setzen wir uns dafür ein, Future Skills systematisch in Lehr-, Lern- und Prüfungsprozesse zu integrieren. Dazu gehören kompetenzorientierte Lehrveranstaltungen, geeignete didaktische Konzepte sowie der Einsatz digitaler und mediengestützter Lehr-, Lern- und Prüfungsformate.
Future Skills entwickeln sich besonders dann, wenn Studierende eigenständig, problemorientiert und kollaborativ lernen. Lehrveranstaltungen, die auf kompetenzorientierte Lernziele, offene Problemstellungen und reflexive Lernprozesse setzen, bieten dafür gute Voraussetzungen.
Didaktische Ansätze, die die Entwicklung von Future Skills unterstützen, sind beispielsweise:
- Projekt- und problemorientiertes Lernen, bei dem Studierende komplexe Fragestellungen eigenständig bearbeiten
- Forschendes Lernen, das wissenschaftliche Arbeitsweisen und kritisches Denken fördert
- Challenge-Based Learning, bei dem reale gesellschaftliche oder technologische Herausforderungen im Mittelpunkt stehen
- interdisziplinäre Lehrformate, die unterschiedliche Perspektiven zusammenführen
- kollaborative Lernsettings, in denen Kommunikation, Teamarbeit und gemeinsame Problemlösung eingeübt werden
- Innovative Prüfungsformate wie Portfolioarbeit, Reflexionsjournale oder Simulationen ermöglichen eine praxisnahe Überprüfung von Kompetenzen
Digitale Werkzeuge können diese Lernprozesse unterstützen, etwa durch kollaborative Arbeitsumgebungen für Teamarbeit und Vernetzung oder durch den reflektierten Einsatz von KI-Tools.
Entscheidend ist dabei weniger eine einzelne Methode als vielmehr eine didaktische Gestaltung von Lernprozessen, die Studierenden ermöglicht, eigenständig zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und Wissen flexibel anzuwenden.
Zur Vertiefung des Themas Future Skills haben wir eine kommentierte Linkliste zusammengestellt. Sie enthält eine kuratierte Auswahl an Materialien, Methoden, Projekten und Ressourcen, die unterschiedliche Zugänge zum Thema eröffnen – von grundlegenden Konzepten und Studien bis hin zu praxisorientierten Methoden und Tools. Kurze Kommentare helfen dabei, die Inhalte einzuordnen und passende Impulse für Studium und Lehre zu finden.
>>> Zur Linkliste gelangen Sie hier.
An der FH Erfurt werden Future Skills im Rahmen eines FHExplore!-Semesters aktiv gefördert.
Das Projekt Intelligent Teach & Learn: Generating Study Paths (InTeLeGenS) verknüpft Flexibilisierung, Kompetenzorientierung und multimodale Lehrformate miteinander. Ziel ist es, den Studierenden individuelle Lernpfade und die Möglichkeit zur eigenverantwortlichen Gestaltung ihres Studienverlaufs zu bieten, indem starre Studienstrukturen durch flexible Modelle ersetzt werden. Dafür wird das FHExplore!-Semester entwickelt und erprobt, in dem praxisnahe, interdisziplinäre Inhalte und zukunftsrelevante Kompetenzen gefördert werden. Ein digitales Portfolio unterstützt die Reflexion und Dokumentation des Lernprozesses.
An der Friedrich-Schiller-Universität Jena werden Kompetenzen zum planvollen Umgang mit Daten und KI sowie deren bewusstem Einsatz in verschiedenen Kontexten gestärkt. Im Rahmen des Projekts „Data & AI Literacy Jena“ (DALIJE) werden Qualifizierungsangebote, Selbstlernkurse und Veranstaltungen rund um Daten- und KI-Kompetenzen für Studierende angeboten.
Sie sind Lehrende*r aus Thüringen und fördern Future Skills aktiv in Ihrer Lehre? Dann melden Sie sich gerne bei uns – wir machen Ihr Projekt sichtbar und verlinken es hier.
Aktuelle Projekte im Thema
Qualifizierungskurse für Lehrende
Ideen und Ziele
- Erstellung, Erprobung und Etablierung eines Kursangebots zum Themenfeld Medienkompetenz
- ergänzende Beauftragung externer Expert*innen für die Konzipierung von Kursen bei thematischer Erweiterung des Begriffs (z.B. Future Skills etc.)
- Testlauf des Kurses (Feedback/Anpassungen/Optimierung)
Aktueller Status:
- läuft
Beteiligte im und um das Netzwerk
Claudia Hoffmann
Ansprechpartnerin
Fachstelle Lehrinnovationen
Aktuelle Ergebnisse
Downloads
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Links
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Materialsammlung
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Schulungsmodul für eTutor*innen
Ideen und Ziele
- Entwicklung eines Moduls zu medien- und digitalisierungsbezogenen Schlüsselkompetenzen
- Digital Agents / Digital Scouts/ Change Maker/ Lotsen ausbilden, Konzept erstellen
- Vernetzung mit vergleichbaren Projekten
Beteiligte im und um das Netzwerk
Uwe Cämmerer-Seibel
Ansprechpartner
Geschäftsführer eTeach-Netzwerk Thüringen
Aktueller Status:
- läuft
Aktuelle Ergebnisse
Downloads
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Links
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Materialsammlung
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