Digitale Bildung gemeinsam denken
Gestern Nachmittag wurde an der Universität Erfurt der Startschuss für die Weiterentwicklung der Digitalstrategie Thüringer Schulen 2024+ gegeben. Eingeladen hatten das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (TMBWK) sowie das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM). Zahlreiche Akteur*innen aus Schule, Wissenschaft, Verwaltung und Bildungsprojekten kamen zusammen, um gemeinsam Perspektiven für die digitale Transformation des Schulwesens in Thüringen zu diskutieren. Auch das eTeach-Netzwerk Thüringen war vor Ort vertreten, um seine Angebote zur Unterstützung digitaler Hochschullehre vorzustellen und sich mit Partnern aus der schulischen Medienbildung zu vernetzen.
Vernetzung als Schlüssel für Medienbildung
Bereits in den Grußworten wurde deutlich, dass Digitalisierung als zentrales Querschnittsthema im Bildungsbereich weiter gestärkt werden soll. Bildungsminister Christian Tischner betonte dabei insbesondere die Bedeutung nachhaltiger Strukturen: Neben der Fortführung der Digitalpakt-Förderung soll ein eigenes Referat für Digitale Bildung die Verbindung von Theorie und Praxis stärken. Gleichzeitig wurde die Einführung eines Unterrichtsfachs für Medienkunde beziehungsweise Medienbildung als wichtiger Schritt hervorgehoben.
Auch Walter Bauer-Wabnegg, der Präsident der Universität Erfurt, unterstrich die Bedeutung eines starken Netzwerks, denn Medienkompetenz entstehe nur im Zusammenspiel der Akteur*innen aus Schule, Hochschule, Wissenschaft, Kultur und Bildungspraxis. Gerade hier zeigt sich die Rolle des eTeach-Netzwerks, das an der Schnittstelle zwischen Hochschuldidaktik, digitaler Lehre und Bildungsinnovation arbeitet.
Best-Practice-Beispiele aus Thüringer Schulen
Ein besonderer Programmpunkt waren vier Praxisberichte aus Thüringer Schulen, die bereits innovative Wege im Umgang mit Digitalisierung beschreiten.
Maik Poser, Leiter der Regelschule „Hans Settegast“ in Bad Köstritz, stellte ein Schulkonzept vor, das auf selbstorganisiertes Lernen in sogenannten Lernateliers setzt. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten dabei an individuellen Arbeitsplätzen anhand von Kompetenzrastern. Lehrkräfte fungieren zunehmend als Lernbegleiter*innen, während Materialien digital über eine App bereitgestellt werden. Unterricht und Lernen werden so stärker voneinander entkoppelt und durch regelmäßige Coachinggespräche ergänzt.
Auch Matthias Grywatsch vom Berufsschulcampus Unstrut-Hainich in Mühlhausen betonte, dass Technik allein nicht ausreicht. Digitale Plattformen, Tablets und digitale Tafeln hätten zwar die Kommunikation mit den Lernenden verbessert und Unterrichtsausfälle reduziert – entscheidend sei jedoch die Akzeptanz im Kollegium sowie eine zuverlässige technische Infrastruktur. Für die Zukunft wünscht er sich vor allem verstärkte Schulungsangebote für Lehrkräfte.
Ein weiteres Beispiel präsentierte Mike Noack vom Rhön-Gymnasium Kaltensundheim. Dort werden iPads gezielt im Unterricht eingesetzt, unterstützt durch ein klar definiertes Set an Standard-Apps. Gleichzeitig wurden Lerninseln geschaffen und Eltern aktiv in die Schulentwicklung einbezogen. Besonders innovativ: sogenannte iPad-Buddys, also Schülerinnen und Schüler, die ihre Mitschüler*innen und Lehrkräfte bei technischen Fragen unterstützen.
Schließlich betonte Christina Weise, Leiterin der Staatlichen Berufsschule Karl-Volkmar-Stoy-Schule Jena, die Bedeutung von Future Skills und KI-Kompetenzen, die junge Menschen auf eine zunehmend digitale Arbeits- und Lebenswelt vorbereiten sollen. Voraussetzung dafür seien kontinuierliche Fortbildungen, digitale Lizenzen für Lernplattformen sowie eine Schulkultur, in der Lehrkräfte sich stärker als Lernbegleiter*innen verstehen.
Die Praxisbeispiele machten deutlich, wie vielfältig digitale Schulentwicklung bereits heute gestaltet werden kann – von neuen Lernraumkonzepten über digitale Werkzeuge bis hin zu veränderten Rollenverständnissen von Lehrenden und Lernenden. Gleichzeitig eröffnen diese Ansätze spannende Anknüpfungspunkte für die Hochschullehre. Themen wie selbstorganisiertes Lernen, kompetenzorientierte Lehrgestaltung, digitale Lernplattformen oder die Rolle von Lehrenden als Lernbegleiter*innen sind auch zentrale Fragestellungen in der hochschuldidaktischen Arbeit.
Für das eTeach-Netzwerk Thüringen bietet dieser Austausch wertvolle Impulse. Als landesweites Netzwerk zur Förderung digital gestützter Hochschullehre unterstützt eTeach Lehrende bei der Entwicklung innovativer Lehr- und Lernformate und fördert den Austausch über gute Praxis. Die vorgestellten Schulkonzepte zeigen, dass viele Herausforderungen, etwa die Förderung von Selbstlernkompetenzen, der sinnvolle Einsatz digitaler Werkzeuge oder die Qualifizierung von Lehrenden, schulische und hochschulische Bildung gleichermaßen betreffen. Formate, wie das Strategiekickoff schaffen daher wichtige Räume, um Perspektiven aus Schule und Hochschule miteinander zu verbinden und voneinander zu lernen.
Gemeinsam an der Digitalstrategie arbeiten
Im Anschluss an die Impulse arbeiteten die Teilnehmenden gemeinsam an zentralen Fragen der Digitalstrategie. Vier Handlungsfelder standen dabei im Mittelpunkt:
- Ausstattung, Administration und Datenschutz
Diskutiert wurde unter anderem eine landesspezifische Evaluation der technischen Infrastruktur sowie deren nachhaltige Betreuung. - Lehren und Lernen in einer Kultur der Digitalität
Hier ging es um die Weiterentwicklung von Rahmenplänen und Kompetenzmodellen, die Überarbeitung der Lehrpläne für Medienbildung und Informatik sowie um Themen wie Distanzunterricht, KI-Anwendungen oder auch die Förderung von Resilienz und bewussten digitalen Auszeiten. - Aus- und Fortbildung von Lehrkräften
Angedacht wurden neue Rollen wie ein „Schulkoordinator Medienbildung“, bedarfsorientierte Fortbildungsangebote sowie perspektivisch ein Studienangebot im Bereich Medienbildung für Lehrkräfte. - Außerschulische Partner und Kontexte der Medienbildung
Kooperationen mit externen Partnern, Wettbewerbe und Fachtage sollen kreative Zugänge zur Medienbildung stärken.
Austausch mit zahlreichen Bildungsakteuren
Neben dem eTeach-Netzwerk waren viele weitere Initiativen und Projekte vertreten, darunter die Thüringer Schulcloud, die Werkstatt für Medienbildung der Universität Erfurt, das KI-Chatbot-Projekt telli, die Digitalmacherei mit Angeboten zu Programmierung, Coding und Robotik sowie die Fachstelle Strategische Medienbildung des TMBWK. Der intensive Austausch zwischen schulischen und außerschulischen Partnern machte deutlich, wie wichtig Kooperationen für die erfolgreiche Umsetzung digitaler Bildung sind.
Rolle des eTeach-Netzwerks
Für das eTeach-Netzwerk bot die Veranstaltung eine wertvolle Gelegenheit, Einblicke in aktuelle Entwicklungen der schulischen Medienbildung zu gewinnen und gleichzeitig eigene Perspektiven aus der Hochschullehre einzubringen. Gerade im Bereich der Lehrkräftebildung und der hochschulischen Qualifizierung von Lehrenden ergeben sich zahlreiche Anknüpfungspunkte für zukünftige Kooperationen.
Die Veranstaltung machte deutlich: Die Digitalisierung der Bildung ist nicht nur eine Frage der technischen Ausstattung. Entscheidend sind vor allem Vernetzung, Qualifizierung und eine gemeinsame Vision für Lehren und Lernen in einer Kultur der Digitalität. Der Auftakt in Erfurt hat hierfür einen wichtigen Impuls gesetzt.